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27.06.2018

Das Dach des Wallenhorster Rathauses wartet noch auf Photovoltaik-Nutzung

Mehr Solarzellen auf Wallenhorster Dächer

Grüne sprachen über zukünftige Energiepolitik

Wallenhorst – Wie sollte die Energieversorgung in 20 Jahren aussehen und welche Weichenstellungen müssen heute dafür vorgenommen werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung, zu der die Grünen eingeladen hatten.

„Als ich vor mehr als 25 Jahren mit Erneuerbaren Energien angefangen habe, lag deren Anteil bei der Stromversorgung in Deutschland bei 2 Prozent und man riet mir, einen anderen Job zu suchen“, erklärte der Wallenhorster Naturstrom-Manager Christoph Ströer. Heute sei der Anteil der Erneuerbaren bereits auf über 30 Prozent gewachsen und die schnellstmögliche Steigerung auf 100 Prozent sei das Ziel der Naturstrom AG.

Nachholbedarf gebe es in den Bereichen Wärme, die größten Teils fast vollständig noch auf Gas basiere sowie in der Mobilität. Insbesondere beim Anstieg der Zahl der Elektrofahrzeuge werde ein Datenmanagement mit Speichern erforderlich, um Spitzenlasten und Niedrigbedarfszeiten auszugleichen. Das sei am besten dezentral in Bürgerhand zu realisieren, wobei Erzeugung und Stromnetz zusammengehörten.

Die Frage von Patrick Mauritz, ob sich Photovoltaik bei sinkenden Einspeisevergütungen noch lohne, beantwortete Ströer mit einem klaren „ja“, da gleichzeitig die Preise der Module deutlich gesunken seien. Die technische Entwicklung biete sogar Chancen ohne Südausrichtung des Daches. Eine Ost-West-Ausrichtung biete auch gleichmäßigere Erträge über den Tag verteilt.

Zum aktuellen Start der Kommission der Bundesregierung zum Kohleausstieg plädierte Ströer, auf die Festsetzung eines konkreten Ausstiegstermins zu verzichten. „Dann laufen wir nicht Gefahr, wie beim Atomausstieg den Großkonzernen Schadenersatz aus Steuergeldern leisten zu müssen“, so der Energieexperte. Den Streit, ob die die Umwelt belastende Kohleverstromung bis 2030 beendet werde, wie es Umweltverbände fordern oder nach den Betreibern nicht vor 2050, könne man sich durch eine CO2-Abgabe sparen. Mit 2-5 Cent pro Kilowattstunde werde die Kohleenergie unwirtschaftlich und würde die Betreiber veranlassen, von sich aus den Betrieb einstellen und schneller auf Alternativen umsteigen, zeigte sich Ströer überzeugt.

Bei der Atomenergie gelte es, nicht nur bis 2022 die letzten Kraftwerke in Deutschland abzuschalten, sondern auch die Zulieferung ausländischer Meiler wie in Belgien Tihange und Doel mit Brennstäben aus dem Lingener ANF-Betrieb zu beenden. Auf EU-Ebene müsse der Euratom-Vertrag gekündigt und müssten Planungen für neue Atomkraftwerke wie im britischen Hingsley Point eingestellt werden. Von Frankreich sei zu erwarten, mit der versprochenen Abschaltung von Atomkraftwerken wie in Fessenheim endlich zu beginnen.

Angesprochen wurden auch die weltweiten Folgen einer falschen Energiepolitik. So habe der Kampf um Öl wie im Irak nur Unheil gebracht und viele Menschen in die Flucht getrieben. Heute komme es darauf an, den bei uns gestrandeten Menschen weiterhin zu helfen, betonte Heinz Schawe. Die nach wie vor vorhandene Hilfsbereitschaft vieler Menschen dürfe nicht durch unnötige Bürokratie bei der Suche von Wohnung und Arbeit behindert werden.

Mit lediglich ca. 13 Prozent werde der Strombedarf in Wallenhorst bisher aus Erneuerbaren Quellen gedeckt, berichtete Grünen-Kreisgeschäftsführer Johannes Bartelt. Im Osnabrücker Land seien bereits 43 Prozent erreicht, ohne die Stadt Osnabrück sogar ca. 60 Prozent. Damit würden noch 40 Prozent am einstimmigen Kreistagsbeschluss fehlen, bis 2030 die Stromversorgung im Landkreis Osnabrück vollständig durch Erneuerbare Energien zu decken.

In Wallenhorst sorgten Ende 2017 drei Windkraftanlagen mit zusammen 6.000 Kilowatt, 516 Photovoltaikanlagen mit insgesamt 9.655 Kilowatt und 2 Biomasseanlagen mit 175 Kilowatt für Erneuerbaren Strom. Da für mehr Windenergie kaum Platz sei, komme es neben Energieeinsparung vor allem auf die Nutzung der noch freien Dächer für Sonnenenergie an. Hier könne die Gemeinde mit ihren kommunalen Gebäuden Vorbild sein. Weiterhin könne der Klimamanager der Gemeinde für die notwendigen Informationen in den Privathaushalten sorgen.



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